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Ich wohne auf einer Insel, am Rande der österreichischen Gesellschaft.  Sie heißt Wien-Alsergrund und hier sieht es so aus:

LIF 6,7

GRÜNE 27

SPÖ 25,5

ÖVP 21,9

die rechten Parteien zusammen „nur“ 15,4

Was soll ich sagen, Österreich soll Alsergrund werden. Boboisierung für alle!

Auserwählt

Mein blog ist total verwaist, irgendwie hatte ich die letzten Wochen – okay, Monate! – keinen Nerv für hier. Aber nun doch eine kurze Wahlempfehlung, sei es aus inhaltlichen oder strategische Gründen: Diesmal LIF!

Asymmetrie

Treffend spricht Raimund Fastenbauer von der IKG in einer Presseaussendung von einer Asymmetrie der Werte, wenn er die jeweiligen Reaktionen nach dem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Terrororganisation Hisbollah beschreibt.

Während man auf israelischer Seite entsetzt auf die als Leichen retournierten entführten Soldaten blickt und Trauer das Land ergreift, werden die freigekommenen Terroristen und Kindermörder im Libanon wie Helden empfangen. Im Gazastreifen wurde sofort als Zeichen der Freude über die ermordeten israelischen Soldaten mit dem Verteilen von Süßigkeiten begonnen, die Israelis zünden währenddessen still Kerzen in Gedenken an die Ermordeten an. Wie es in Israel im übrigen nie Freudenfeiern gibt, wenn Palästinenser oder Araber getötet werden. Aber das ist eben die Asymmetrie der Werte.

Treffend formuliert auch Shlomo Goldwasser, Vater eines der ermordeten Soldaten:

„Es ist mir wichtig, dass das libanesische Volk begreift, was es geopfert hat und wofür. Es hat etwa 800 Mann verloren und seine gesamte Wirtschaft, und wofür? Für jemanden, der eine Vierjährige ermordet hat? Kann man so jemanden als Held bezeichnen?“*

Nein, kann man nicht. Wird er aber. Asymmetrie der Werte, wie gesagt.

Israel hingegen kann bei aller Trauer stolz auf sich sein, in so einer schwierigen Situation ethische Werte hochzuhalten, nicht der Rache gefrönt zu haben, wie etwa die Terroristen ebenso als Leichen an die Hisbollah zurückgegeben zu haben. Kol hakavod leIsrael!

*Quelle: Newsletter der Israelischen Botschaft Berlin vom 16.07.2008

Hatten Sie schon immer mal Lust, einen Brief an die Krone zu schreiben und sich damit, wie derzeit ersichtlich ist, in bester Gesellschaft zu befinden?

Kronen Zeitung
Muthgasse
1190 Wien

SFPÖ

Was soll man da noch großartig sagen? Eine schlechte Nachricht (Schottermitzi) jagt die nächste (Anti-EU Populismus und FP-Kopie durch FPÖ)!

Wer in Österreich lebt, weiß: Es kann immer noch schlimmer kommen. Folglich ist Maria Fekter als Innenministerin aus der politischen Volksanwaltschaftsversenkung in eines der innenpolitischen Machtzentren zurückgekehrt (worden). Wir dürfen uns auf vorgestrige Wertevorstellungen und Oberösterreicherin-versucht-Hochdeutsch-zu-sprechen freuen! Hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Schottermitzi wieder auf der Deponie landet.

Normalität auf österreichisch: In der Klagenfurter EM Fanzone ist der Nazi und Kriegsverbrecher Milivoj Asner offenbar gern gesehener Gast. Dass er auf der Fahndungsliste von Interpol steht, scheint im sonnigen Kärnten und überhaupt im gastfreundlichen Österreich niemanden zu stören.

http://orf.at/080616-26251/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F080616-26251%2F26252txt_story.html

http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/news/article1294928.ece

http://haaretz.com/hasen/spages/993281.html

http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1212659751740&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

Es gibt noch Lichtblicke! Neulich entdeckt: TNUVA Magic Soya Schokodrink direkt aus der Kibbutzidylle ins BIPA Regal! Bitte mehr davon!

Ist der Life Ball in Wien ein Gradmesser für „Toleranz“ gegenüber Homo- Bi- und Transsexuellen? Oder finden sich sogar unter den BesucherInnen des Balls homophobe Einstellungen? Angesichts der Aussagen des ehem. Fußballers und „Stargastes“ Michael Konsel ist zu befürchten, dass das Wiener Rathaus selbst am Tag des Life Balls keine Homophobie-freie Zone ist.

Dass der Life Ball-“Stargast“ Michael Konsel im ORF-Live-Interview die homophobe Ansicht verbreitet, wonach Fussball als „harter Sport“ kein Sport für Schwule sei, zeugt davon wie sehr der Life Ball mittlerweile im Mainstream angekommen ist und wie wenig sich seine BesucherInnen über ihre eigene Homophobie bewusst sind. Verkleidete Biedermänner und -frauen kaschieren für einen Abend äußerst aufwendig ihre Abneigung gegen Schwule, Lesben und transidente Menschen, gegen das Nichteinordenbare, das queere, das aus der Norm fallende. Gleichzeitig wird die Teilnahme an dem schrillen Fest quasi als Zertifikat für „Toleranz“ gewertet, von den KaschiererInnen selbst, aber auch von der (heterosexistischen) Öffentlichkeit. Was das Wert ist, wird klar, wenn einem dort Peter Westenthaler über den Weg läuft.
Gerry Keszler hat einen an sich wunderbaren Planeten Life Ball kreiert, ihm und seinem Team gebührt dafür tausend Dank – dennoch darf bei allem Lob nicht übersehen werden, wie sehr dieses einige Stunden dauernde Event in eine homophobe österreichische Realität eingebettet ist. Dass schwulenfeindliche Aussagen eines „Stargastes“ keinerlei Einspruch nach sich ziehen, ist der eigentliche Skandal.

Mein Leserbrief an Die Presse vom 18. Mai 2008

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